Projektverlauf

Vor etwa drei Jahren haben die drei Kommandanten bei den jeweiligen Feuerschutzkommissionen und Gemeinderäten beantragt, die Organisation zu prüfen. Dem Kader der betroffenen Feuerwehren wurde anschliessend das Projekt erläutert und die Mitarbeit in diversen Projektgruppen angefragt. Vorbehaltslos entschlossen sich die Offiziere in verschiedenen Projektgruppen eine SWOT-Analyse (Analyse über Stärken, Schwächen, Chancen und Gefahren) zu erarbeiten. Dementsprechend waren Schlussfolgerungen möglich: Zusammenschluss der Feuerwehren, eine vertiefte Zusammenarbeit der beteiligten Feuerwehren, beibehalten der aktuellen Aufstellung. Diese drei Szenarien wurden in Teilbereichen wie Ausbildung, Einsatzplanung, Material, etc. angeschaut und gegenübergestellt. Dabei waren jeweils Fachspezialisten aller Feuerwehren in den jeweiligen Gruppen beteiligt. Der grösste gemeinsame Nenner war über alle Gruppen hinweg die vertiefte Zusammenarbeit. Dies wurde von allen Beteiligten als erstrebenswert erachtet. Nach der Präsentation wurden wir darüber informiert, dass von der Politik ein Zusammenschluss gewünscht und lanciert wird. Zusätzlich wurden die Offiziere bis fast zum Schluss darauf hingewiesen, dass ein Ausstieg jederzeit möglich sei, sollte das Offiziersgremium zum Schluss kommen, eine Zusammenlegung mache keinen Sinn.

Nach langer Funkstille und Auswechslung der Projektleitung ging es dann plötzlich schnell. Das zusammengestellte Papier sollte innert Wochenfrist von den Kommandanten gegengelesen werden, anschliessend werde es den Gemeinden abgegeben. Leider fanden sich darin diverse Falschaussagen wie zum Beispiel: "Alle drei Kommandanten begrüssen den Zusammenschluss" oder "alle Projektgruppen kamen zum Schluss "ein Zusammenschluss sei sinnvoll". Dies war der Zeitpunkt als das Kader der Feuerwehr St. Margrethen sich geschlossen schriftlich an den Gemeinderat wandte. Mit der Bitte des Ausstiegs aus dem Projekt, da die Zusammenlegung für St. Margrethen als nicht sinnvoll erachtet wird. Ebenfalls wollte man so verhindern, dass bei einem negativen Urnenresultat von St. Margrethen, das gesamte Projekt für alle Gemeinden gescheitert wäre. Dieses Gehör wurde vom Gemeinderat abgeschmettert und dieser drängte auf eine Urnenabstimmung. Entgegen der Expertise des Feuerwehrkaders / der Projektmitarbeiter.



Fakten

Infrastruktur

Unser Depot bleibt bestehen. Aufgrund der geographischen Lage muss das Feuerwehrdepot in St. Margrethen bestehen bleiben. Auch der Strassenrettungsstützpunkt bleibt uns ebenfalls erhalten. Dies aufgrund der Richtlinien des Astra's und auch hier spielen wieder die topografischen Gegebenheiten eine grosse Rolle.

Aktuell ist die Grösse unseres Feuerwehrdepots für Material und Fahrzeuge mehr als ausreichend. Dies verdanken wir einer weitsichtigen Planung beim Depotneubau vor über 30 Jahren.

Die neuste Vorgabe bei der Infrastruktur ist die "Schwarz-Weiss-Trennung". Dies bedeutet, dass es eine räumliche Trennung von kontaminierten (schmutzigen, verrussten Materialien wie Brandschutzbekleidung nach dem Einsatz, etc.), zu sauberen Arbeitsbereichen (Atemschutzretablierung, Aufenthaltsbereich, Sanitäre Anlagen etc.) gegeben sein muss. Gemäss den Inspektionen der GVSG (Gebäudeversicherung St. Gallen) erfüllen wir die derzeitigen Anforderungen mit der aktuellen Infrastruktur.

Die sanitären Anlagen im Feuerwehr-Bereich entsprechen nicht mehr den heutigen Genderrichtlinien. Dazu müssen in Zukunft kleinere Anpassungen vorgenommen werden, welche in jedem Fall von der Gemeinde St. Margrethen finanziert werden müssen.

Abschliessend sollte festgehalten werden, dass das Depot in St. Margrethen im Vergleich zu allen anderen Depots die aktuellen Anforderungen, mit Ausnahme der sanitären Anlagen, vollständig erfüllt.


Tagesverfügbarkeit / Zusammenarbeit

Durch die Weitläufigkeit des geplanten Zusammenschlusses, könnte ein Fristgerechtes erreichen der Einsatzörtlichkeiten von einem zentralen Depot realisiert werden. Aufgrund von verschiedenen Risikofaktoren sind jedoch Aussendepots in St. Margrethen und Diepoldsau geplant. Dadurch muss die Einsatzfähigkeit der Mannschaft und des Materials erhalten bleiben. Dies bedeutet auch die Tagesverfügbarkeit ist bei einem Zusammenschluss entscheidend. Denn ein Depot ohne Feuerwehrleute, die innert nützlicher Frist in den Einsatz gehen dient bekanntlich keinem. Wir können versichern, dass wir in den letzten Jahren immer die geforderte Tagesverfügbarkeit (von der Gebäudeversicherung St. Gallen) mehr als erfüllt haben und zu keiner Zeit dadurch auch nur ein geringstes Risiko für die Bevölkerung bestand.

Bereits heute ist eine Zusammenarbeit über die Dorfgrenzen hinaus etabliert. Die Regionale Führungsunterstützungsgruppe ist ein Beispiel davon. Dies wurde von den Feuerwehren Rheineck-Thal-Lutzenberg, St. Margrethen, Berneck-Au-Heerbrugg & Mittelrheintal (Widnau, Diepoldsau, Balgach) geplant, geschult und ist aktuell realisiert. Dies zeigt auf, dass eine Zusammenarbeit bereits heute bestens funktioniert. Ebenso ist die Nachbarschaftshilfe bestens etabliert. Dies beweisen Einsätze in den Nachbargemeinden wie auch bei uns, sowie gemeinsame Übungen im regulären Übungskalender.

Bei grösseren Einsätzen setzen wir schon seit Jahrzehnten auf die Nachbarschaftshilfe, welche sehr gut funktiniert. Auch bei einem Zusammenschluss wäre diese Unterstützung immer noch nötig. Nur wäre es dann aus Definitionsgründen keine Nachbarschaftshilfe mehr, da es «eine Feuerwehr» ist, aber noch immer Einsatzkräfte aus einem anderen Standort beigezogen werden müssen.


Hubretter

Aktuell wird der Hubretter von der Gebäudeversicherung St. Gallen (GVSG) weiter finanziert. Gemäss aktuellem Konzept kann eine Ersatzbeschaffung zurzeit nicht von Subventionen profitieren. Die aktuellen Zweckgebundenen Feuerwehrrücklagen der Gemeinde St. Margrethen könnten diese Ersatzbeschaffung allerdings ohne Probleme selbstständig tragen. Die Feuerwehr Berneck-Au-Heerbrugg ist bereits an einer Beschaffung eines neuen Hubretters. Auch im erarbeiteten Konzept ist ein weiteres neues Rettungsgerät (Hubretter oder Autodrehleiter) für St. Margrethen geplant. Bei einem allfälligen Zusammenschluss würde daher St. Margrethen gemäss dem Kostenverteilschlüssel aus dem Konzept 17% der Kosten für zwei Rettungsgeräte tragen.  


Nachwuchsrekrutierung / Freiwilligen Arbeit

Im Konzept, wie auch in verschiedenen Berichterstattungen wurde immer wieder Annahmen getroffen, die Feuerwehr St. Margrethen hätte Probleme bei der Nachwuchsrekrutierung. Die Feuerwehr St. Margrethen hat weder zurzeit, noch hatte sie in den vergangenen 10 Jahren Probleme mit der Nachwuchsrekrutierung .

Wir rekrutieren am erfolgreichsten mit dem Wert "Etwas für unser Dorf, unsere Gemeinde zu tun!". Zurzeit gibt es flache Hierarchien und dadurch eine sehr starke Kameradschaft, von welcher viele andere Feuerwehren nur träumen können. Dieser Umstand fällt künftig weg. Geplant ist, dass alle neuen AdF (Angehörige der Feuerwehr) in den ersten beiden Jahren zentral ausgebildet werden. Fern ab der Zusammengehörigkeit der Kameraden und Kollegen und der Dorffeuerwehr, weshalb ein Beitritt häufig erfolgte. Ebenso betreiben wir mit der Feuerwehr einen grossen Beitrag zur Integration der Bevölkerung und dem Dorfleben. Sei es beim Drei-Länder-Marathon wo der grösste Teil der AdF freiwillig die Sicherheit der Teilnehmer garantieren, bei diversen Anlässen im Feuerwehrdepot oder wenn Schulklassen die Feuerwehr besuchen.


Kosten

Wir sehen viele Falschaussagen und auch "schönrederei" zugunsten des Zusammenschlusses im Konzept. Die verwendeten Zahlen wurden eher tief angesetzt und auch der Verteilschlüssel der Gemeinden steht nicht im Einklang mit der bereits geplanten Entwicklung des Dorfes. So sind aktuell einige Bauprojekte bereits in der Umsetzung oder es sind konkrete Bauvorhaben der Industrie beispielsweise bekannt. Aufgrund dieser wird sich der Prozentsatz der Kostenbeteiligung der Gemeinde St. Margrethen eher zu unseren Ungunsten verschieben. Schon beim angenommenen Prozentsatz wird es uns als Gemeinde aber schon gleich teuer zu stehen kommen. Die errechneten Prozentstellen der Festangestellten sind künftig wohl kaum in diesem Rahmen haltbar. Im Konzept ist festgehalten, dass Einsätze für die Alarmstufen 0.1 und 0.2 durch die festangestellten Mitarbeiter erledigt werden sollen. Jedoch wurden diese Tageseinsätze nicht in der Kalkulation der Stellenprozenten miteingerechnet.

Durch einen allfälligen Zusammenschluss wird ein Depotneubau für die anderen Gemeinden mitfinanziert (Prognose Beitrag Gemeinde St. Margrethen CHF 3 Mio.), welche in den letzten Jahren entsprechende weitsichtige Investitionen vor allem in Gebäuden nicht getätigt haben und nun dringend Aufrüsten müssen. Mit diesem Geld könnte auch ein neuer Hubretter durch St. Margrethen ohne Probleme eigenständig finanziert werden.

Für eine allfällige Kostensenkung wäre es bereits heute möglich, dass die Gemeinde Eigentümer von neuen Gross- oder Spezialbauten zur Mitfinanzierung von Spezialgeräten verpflichtet. Diese Option wird zurzeit von der Gemeinde St. Margrethen nicht ausgeübt.


Selbstbestimmung

Entscheidungen würden in Zukunft von Vertretern aller beteiligten Gemeinden getroffen werden. Wir sind der Meinung, dass dies in Zukunft zu unnötigen Ausgaben führen wird, welche auch evtl. für mehr «Prestige» im Vergleich zu anderen Feuerwehren getätigt werden sollen. Zum Beispiel ist aktuell die Feuerwehr Mittelrheintal und die Feuerwehr Berneck-Au-Heerbrugg an einer allfälligen Beschaffung (nach dem Zusammenschluss) eines Löschroboters für Tiefgaragenbrände. Wir sind der Meinung, dass eine solche Anschaffung unverhältnismässig ist. Nicht einmal eine Berufsfeuerwehr St. Gallen hat einen solchen Roboter, obwohl sie ein Vielfaches von Tiefgaragen in ihrem Einsatzgebiet haben. Diese Anschaffung könnten Vertreter der Gemeinde St. Margrethen nicht alleine ablehnen und unsere Gemeinde müsste die Kosten mitfinanzieren.

Fazit

Das Projekt zur Prüfung der Organisation der Feuerwehren begann vor drei Jahren und umfasste eine umfassende SWOT-Analyse durch verschiedene Projektgruppen. Drei Szenarien wurden untersucht: Zusammenschluss der Feuerwehren, vertiefte Zusammenarbeit oder Beibehaltung der aktuellen Aufstellung. Die vertiefte Zusammenarbeit wurde als erstrebenswert erachtet, jedoch entschied die Politik sich für einen Zusammenschluss. Trotz falscher Aussagen im finalen Konzept und Widerstand des Feuerwehrkaders St. Margrethen, wurde eine Urnenabstimmung durchgesetzt.

Die Infrastruktur des Feuerwehrdepots in St. Margrethen erfüllt weitgehend die aktuellen Anforderungen, mit der kleinen Ausnahme der sanitären Anlagen. Die Tagesverfügbarkeit und Zusammenarbeit über Dorfgrenzen hinweg sind bereits etabliert und funktionieren gut. Eine Ersatzbeschaffungen für den Hubretter ist im Konzept bereits geplant und muss auch in diesem Fall zu einem Grossteil durch St. Margrethen finanziert werden. Die Nachwuchsrekrutierung stellt kein Problem dar und ist lediglich im Falle eines Zusammenschlusses gefährdet.

Kostenmässig gibt es Bedenken hinsichtlich falscher Annahmen und zukünftiger prozentualer Anstieg der Kostenverteilung für St. Margrethen.

 


Insgesamt ist unsere Milizfeuerwehr St. Margrethen sehr stark aufgestellt und auch mit einem Blick in die Zukunft sind keine, von der Gemeinde prognostizierten, Risiken erkennbar! Weshalb soll diese Zukunft durch einen Zusammenschluss gefährdet werden? Deshalb stimmen Sie «NEIN» für den Zusammenschluss der Feuerwehr St. Margrethen.